Neurodermitis - Gemeinschaftspraxis Dr. med. Ulrich Finke und Dr. med. Christina Scholz

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Gemeinschaftpraxis
Dr. med. Ulrich Finke und Dr. med. Christina Scholz

Ärzte für Kinder- und Jugendmedizin
Neurodermitis
Allgemeines
Die Neurodermitis ist mit 8-12 Erkrankungen pro 100 Kinder die häufigste chronische Hauterkrankung des Kindesalters. In 60-80% der Fälle wird sie bereits im 1. Lebensjahr diagnostiziert, am häufigsten zwischen
dem 3. und 4. Lebensmonat.

Die gute Nachricht: 70-80% der Kinder sind ab dem 12. Lebensjahr erscheinungsfrei!

Grundsätzlich liegt der Neurodermitis eine Barrierefunktionsstörung der Haut zugrunde. Sie ist genetisch festgelegt und wird nicht durch äußere Faktoren verursacht. Das heißt, niemand ist schuld an dem Hautzustand Ihres Kindes. Es gibt aber eine Risikoerhöhung für eine Neurodermitis. Hat ein oder haben beide Elternteile eine allergische Erkrankung (Asthma, Heuschnupfen, Neurodermitis), so ist das Risiko höher, dass Ihr Kind eine Neurodermitis entwickelt. Umgekehrt gibt es aber Kinder, die keine allergisch erkrankten Eltern oder Geschwister haben und dennoch eine Neurodermitis entwickeln.
Auslöser / Triggerfaktoren
  1. Nahrungsmittelallergien (die aber mit zunehmendem Alter eine immer geringere Rolle spielen!)
  2. Inhalationsallergien (z.B. Hausstaub)
  3. Infekte
  4. psychischer Stress
  5. klimatische Faktoren (im Winter wird bis auf einige Ausnahmen der Hautzustand meist schlechter, trockene Innenraumluft, kalte Außenluft, dickere Kleidung)
Tipps zur Kleidung
  1. Unterwäsche auf links anziehen
  2. Schilder aus der Kleidung entfernen
  3. Baumwoll-, Leinen- oder luftdurchlässige Synthetikkleidung tragen, keine Wolle!
  4. Nicht zu warme Kleidung tragen, keine Polyesterstrumpfhosen, besser lange Unterhosen und Socken
  5. Bettwäsche aus Leinen oder Baumwolle, Biber- oder Frotteewäsche ungünstig, da sie durch Reibung zusätzlich reizen kann
  6. Raumtemperatur tagsüber nicht über 20°C, Schlaftemperatur kühl (16°C)
  7. Neurodermitisschlafanzug mit integrierten Handschuhen ( verordnungsfähig mit Selbstbeteiligung)
Juckreizlindernde Maßnahmen
  1. Kühlen mit trockener Kälte (z.B. Coldpacks, die in ein Baumwolltuch eingeschlagen sind)
  2. Kühlen mit feuchter Kälte (juckende Hautstellen unter fließend kaltes Wasser halten, ein feuchtes, kaltes Baumwolltuch aus glattem Material auf die juckende Hautstelle legen, Kochsalz-/Teeumschläge s.u. durchführen)
  3. Wärmestaus durch Kleidung oder Bettzeug vermeiden
  4. Kratzalternativen: Klopfen, Drücken, Kneifen, Reiben, Streicheln
  5. Kurz-und Sauberhalten der Fingernägel
  6. Abreagieren durch körperliche Aktivitäten, Beschäftigung der Hände
  7. InfoStartKleidungHautpflegeHinweisBehandlung

Kochsalzumschläge (bei entzündeter, leicht nässender Haut):
Kochsalzlösung (NaCl 0,9%) aus Apotheke oder selbstgemachte Kochsalzlösung (1 Liter abgekochtes Wasser und 9 g Kochsalz-ca. 1 Teelöffel- auflösen, Lösung abkühlen lassen, im Kühlschrank 2 Tage haltbar)

Kompressen oder saubere dünne Baumwolllappen (z.B. Stofftaschentücher oder Geschirrhandtücher)

Die Kompressen/ Baumwolltücher mit der Kochsalzlösung (aus dem Kühlschrank erst auf Zimmertemperatur anwärmen) tränken und für ca. 10-15 Minuten auf der Haut liegen lassen

Teeumschläge (bei entzündeter, stark nässender Haut)
3-4 Beutel schwarzen Tee pro Liter, 10-30 min ziehen lassen

Anwendung wie bei Kochsalzumschlägen bzw. auch eine Behandlungsdauer über max. 48 Stunden möglich, Auflagen kurz vor Antrocknen erneut anfeuchten.
Pflege der Haut
  1. Grundsätzlich kann man die Haut nicht verwöhnen!!! Eine regelmäßige Basispflege ist das ganze Jahr über für den gesamten Körper sinnvoll.
  2. Nach dem Baden bzw. Duschen kurz etwas kühler abduschen zur Förderung des Aufbaus eines natürlichen Säureschutzmantels, nicht abrubbeln, sondern möglichst nur trocken klopfen, danach Haut eincremen
  3. Ölbäder 2x pro Woche: Badedauer nicht länger als 10 min, Wassertemperatur nicht über 35°C, nach dem Baden Haut abtupfen, nicht reiben, Vorsicht bei kleinen Kindern, rutschen aus den Armen, da Ölfilm auf Haut, Ausrutschen in der Badewanne möglich!! Keine zusätzlichen Seifen anwenden!
Praktische Hilfen beim Eincremen
  1. Vor dem Cremen Hände waschen
  2. Holzspatel oder sauberen Löffel zum Entnehmen der Salbe aus den Salbentöpfen
  3. Von oben nach unten eincremen (Gesicht, Hals, Arme, Bauch Rücken, Füße, Beine, Gesäß zum Schluss)
  4. Gesamte Haut dünn eincremen, gerötete oder besonders trockene Stellen etwas dicker eincremen
  5. Nach dem Eincremen von infizierter Haut oder mit Cortisonsalben unbedingt die Hände waschen
Behandlung
Ein Bild zum Vergleich: Stellen Sie sich eine Ziegelsteinmauer vor, in der zwischen den einzelnen Ziegelsteinen der Mörtel fehlt. Es kann Wasser und Schmutz eindringen. Auch in der Haut fehlt es an Bindungsmitteln. Feuchtigkeit und Fett gehen über diese Lücken verloren, Keime und Schmutz können leichter eindringen. Genau deswegen muss der Haut diese fehlende Feuchtigkeit wieder zugeführt werden. Das gelingt nur mit regelmäßigem Eincremen von feucht-fetten Salben.

Die Basistherapie beinhaltet das regelmäßige tägliche Eincremen mit fetthaltigen Salben, die in der Regel einen hohen Glycerinanteil haben sollen ( Glycerin bindet Wasser in der Haut). Ältere Kinder können auch Salben mit Harnstoffanteil („Urea“) verwenden. Auch Harnstoff bindet Feuchtigkeit, für jede Altersklasse werden unterschiedliche Konzentrationen empfohlen, bis 6 Jahre 3%, bis 10 Jahre 5%, älter als 10 Jahre 10%.

Im Sommer sollte eher ein geringerer Fettgehalt gewählt werden als im Winter. Talgdrüsenreiche Areale wie Gesicht und Windelbereich haben einen geringeren Fettbedarf als Beine, Arme und Körperstamm (Rücken, Brust und Bauch). Grundsätzlich ist jede Creme, die Ihr Kind verträgt, geeignet. Oft sind Nebenwirkungen wie Brennen, unangenehmer Geruch oder schlechtes Einziehen (ständiger Fettfilm auf der Haut) für das Kind störend, sodass jeder seine individuelle Creme finden muss. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass Cremes, die monatelang gut gewirkt haben, manchmal gewechselt werden müssen, weil sie nun nicht mehr die erwünschte Wirkung erzielen.

Im akuten Stadium, also wenn die Haut gerötet oder nässend ist, muss die Behandlung geändert werden. In erster Linie muss der Juckreiz und der damit verbundene Leidensdruck Ihres Kindes verringert werden. Wir empfehlen in dieser Phase Schwarzteeumschläge (s.o.) mehrmals täglich durchzuführen. Nach 1-2 Tagen können Sie fett-feuchte Verbände anlegen. Sie cremen das Kind an den betroffenen Stellen mit Basiscreme ein, dann legen Sie mit Kochsalz getränkte Kompressen auf, darüber einen trockenen Verband bzw. Verbandsschläuche (TubifastR , DermaSilkR ). Dadurch kann die Feuchtigkeit länger in der Haut gehalten werden.

In diesem Stadium liegt oft auch eine bakterielle Superinfektion vor, d.h. auf den betroffenen Stellen hat sich eine Entzündung entwickelt, die man zunächst durch antiseptische Salben oder Bäder bekämpfen kann. Reicht dies nicht aus, muss selten auch einmal ein Antibiotikum gegeben werden.

Ist die Haut in ein nässendes Stadium übergegangen, muss vorübergehend auch lokal Cortison eingesetzt werden. Eine Alternative sind Calcineurininhibitoren, die ebenfalls entzündungshemmend wirken. Der Einsatz von Cortison ist auf bestimmten Körperregionen weniger empfehlenswert, da die Aufnahme von Cortison über die Haut in Bereichen von Kopfhaut, Gesicht und Genitalbereich deutlich höher ist als anderen Körperstellen. In der Regel versucht man, für den Gesichtsbereich Calcineurininhibitoren einzusetzen. Allerdings gibt es eine Anwendungsbeschränkung unter zwei Jahren, sodass in diesem Alter nur nach Aufklärung (sog. „off-label use“) und Kostenübernahme durch die Krankenkassen eine Therapie rezeptiert werden kann.

In der Regel wird Cortison 1-mal täglich für eine Woche auf die betroffenen Hautpartien aufgetragen, in der 2. Woche nur noch an jedem 2. Tag. Ab der 3 Woche führen wir eine sogenannte proaktive Therapie durch, d.h. es wird regelmäßig 2-mal pro Woche (z.B. dienstags und freitags) für einen Zeitraum von 3 bis max. 6 Monaten an den am stärksten betroffenen Stellen Cortisonsalbe bzw. Calcineurininhibitoren angewendet. Dies hat einen insgesamt geringeren Cortisonverbrauch zur Folge.

Denken Sie immer daran: Neurodermitis ist eine chronische Erkrankung, die in Schüben verläuft. So gibt es bessere und schlechtere Phasen. Häufig wird es als Rückschlag empfunden, wenn sich eine scheinbar geheilte Haut wieder in relativ kurzer Zeit verschlechtert. Das ist aber ein normaler Krankheitsverlauf und hat nichts mit Ihrer falschen oder unzureichenden Pflege zu tun!
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